Eine Gesichtshälfte der Keramikerin und Autorin Serena Maria Zimmermann

Farben mit Tiefgang.

Wieso gefällt mir plötzlich Pink? Alles Richtung rosa war immer eine meiner kompletten Anti-Farben. Dicht gefolgt von blau. Meine absolute Lieblingsfarbe? Rot – eine echte Heldinnenfarbe. Rote Fingernägel – der Innbegriff einer Frau, die weiß, was sie tut. Rosa? Für Prinzessinnen und ich wollte keine sein. Doch jetzt hat sich diese Farbe ganz leise in meinen Kleiderschrank geschlichen – ohne, dass ich es wirklich bemerkt habe.

Und dann Grün. „Wieso hast du so viel grüne Kleidung?“, fragte mich mein Partner oft. „Das steht dir nicht.“ Der hat ja keine Ahnung, dachte ich mir jedes Mal. Es ist doch die Farbe meiner Augen! Warum sollte dieser Grünton mir nicht passen? Seine Kommentare wollte ich nicht auf mir sitzen lassen – also machte ich mich auf zu einer Farbanalyse. Wann, wenn nicht jetzt – mitten im Leben, wenn die feinen Linien um die Augen nicht mehr ganz so fein sind und die Haare ein Haar nach dem anderen stolz silber werden – sollte ich die Farben finden, in denen ich am meisten strahle? Und insgeheim dachte ich: Wirst schon sehen, mein Lieber, wie recht ich mit meinem Grün habe.

Während ich auf die Farbberaterin warte, frage ich mich: Was bedeutet mir Mode eigentlich? Ist sie oberflächlich – oder einfach eine weitere Möglichkeit, kreativ zu sein? Ja, Farben machen Spaß. Aber können sie wirklich einen Unterschied machen? Ich erinnere mich an meine knallblauen Kleidungsstücke. Jedes Mal, wenn ich sie trage, bekomme ich Komplimente. Blöd, beim Grün war das nie so. Ups, realisiere ich in dem Moment.

Als mich die Beraterin auf den Sessel vor dem Spiegel bittet, sagt sie: „Es geht heute nicht nur um Farben. Mach dich darauf gefasst, dass es auch eine emotionale Reise wird. Oft ist es wie bei den Haaren – hast du glatte, willst du Locken. Hast du Locken, wünschst du dir Glatte.“ Ich muss schmunzeln. Wie oft habe ich als Kind meine schnurgeraden Haare verflucht und mir einen wilden Lockenkopf gewünscht.

Wir legen los. Kurz darauf ist alles klar: Ich brauche es kalt. Kontraste statt monochrom. Kräftige Farben. Silber statt gold. Rosa statt rot. Blau statt grün. Autsch! Glitzer, Samt und Pailletten – das würde mir wohl stehen. Ich lache los. Plötzlich sehe ich mich als über- und über-glitzernde-Eisprinzessin herumspazieren – mein Leben lang relativ schlicht unterwegs, was Muster und Stoffe anbelangt, jetzt in Glitzer und Pailletten als Midlife-Crisis-Paradebeispiel.

Zähneknirschend stecke ich meinen True Winter-Farbfächer ein, verabschiede mich und bereite mich innerlich darauf vor, meinem Partner gleich zu gestehen, dass wohl doch er recht hatte.

Note to Self: Manchmal haben eben doch die anderen recht. Be kind, not right.

 

Erstveröffentlichung: 24. September 2025

Foto: Anna Tschirko

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