Glossar
In der Keramik gibt es so viele Fachbegriffe. Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, die Begriffe zu verwenden ohne daran zu denken, ob sie mein Nicht-Keramiker*in-Gegenüber wirklich kennt. Weil ganz ehrlich – ganz viele kannte ich nicht, bevor ich Keramikerin wurde. Also: hier von mir für dich ein Keramik-Glossar. Sollte dir irgendwo auf meiner Website oder in einer Short Story ein Keramik-spezifisches Wort unterkommen, einfach hier nachschauen und deinen Keramik-Wissensdurst stillen. :-)
PS: Die Liste wächst ständig weiter und wenn dir auffällt, dass ein Begriff fehlt - gib mir gern Bescheid. Danke!
Abdrehen
Das Nachbearbeiten von Stücken, die auf der Töpferscheibe hergestellt wurden und sich bereits in einem angetrockneten und stabilen Zustand befinden (siehe ‚lederhart‘). Bei diesem wesentlichen Arbeitsschritt wird der Keramik ebenfalls an der Töpferscheibe ihre endgültige Form gegeben.
Abdreheisen
Werkzeuge, um lederharte Gefäße an der Töpferscheibe zu bearbeiten.
Aufbautechnik (= Coiling, Würsteltechnik)
Aus Ton werden mit den Händen längliche Stücke ausgerollt. Diese werden dann aufeinander gelegt und Schicht für Schicht verarbeitet und versäubert, um auf diese Art ein Gefäß "aufzubauen".
Brennofen
Ein Gerät, um den Keramikbrand durchzuführen. Es gibt Brennöfen in ganz unterschiedlicher Größe und Ausführung. Für das Brennen von Steinzeug und Porzellan sind so hohe Temperaturen notwendig, dass die Brennöfen einen Starkstromanschluss benötigen und gewisse Sicherheitsbedingungen beachtet werden müssen. Das Befüllen des Brennofens wird auch ‚Ofen setzen‘ genannt.
Brennplatte
Regalbretter aus hitzebeständigem Material, um die zu brennenden Stücke im Brennofen zu platzieren. Die Brennplatten sind nicht fix im Brennofen eingebaut, sondern werden für jeden Brand je nach Bedarf durch Ofenstützen unterschiedlicher Höhe angeordnet und übereinander geschichtet.
Gewerbeberechtigung
Das Keramiker*innen Gewerbe ist ein geschütztes Gewerbe und unterliegt der Gewerbeordnung. In Österreich gibt die jeweilige Wirtschaftskammer Auskunft darüber, wie das Gewerbe erlangt werden kann.
Gießtechnik
Bei der Gießtechnik werden Gipsformen erstellt, die immer wieder verwendet werden können, um die gleiche Form zu produzieren. Eine flüssige Keramikmasse (meist Porzellan) wird eingefüllt und nach kurzer Zeit wieder ausgegossen. Nach einer Trocknungszeit wird die Gipsform geöffnet, das Gefäß entnommen und noch versäubert, bevor es fertig trocknet und gebrannt wird.
Glasur
Eine Glasur ist eine glasähnliche Beschichtung der Keramik und dient ästhetischen und hyghienischen Aspekten. Sie macht die Keramik außerdem widerstandsfähiger. Aufgetragen wird sie im kalten, flüssigen Zustand auf (meist) schrühgebrannte Keramikstücke. Während des Brandes verschmilzt sie, bevor sie dann verfestigt. Glasuren können von matt bis hochglänzend sein, außerdem gibt es eine Vielzahl an besonderen Effektglasuren.
Glasuren bestehen aus einer Mischung von Mineralien, färbenden Stoffen und Flussmitteln. Im Keramikbedarf gibt es gebrauchsfertige Flüssigglasuren zu kaufen, die mit Pinseln aufgetragen werden. Häufiger werden von Keramiker*innen Pulverglasuren verwendet, die mit Wasser angerührt werden. Die Schrühware wird entweder mit speziellen Glasurzangen in den Glasurbehälter getaucht, oder die Glasur wird durch andere Techniken aufgetragen. Pulverglasuren können ebenfalls fertig gemischt gekauft oder selbst hergestellt werden.
In Österreich müssen die Glasuren aller zum Verkauf angebotenen Gebrauchskeramiken in speziellen Laboren auf ihre Lebensmittelsicherheit geprüft werden.
Glasurbrand
(auch Glattbrand): Der zweite Keramikbrand, der die Keramik dicht macht (=sintern).
Die glasierte Schrühware wird im Brennofen so platziert, dass sich die Stücke gegenseitig nicht berühren, da sie sonst zusammenschmelzen würden. Der Glasurbrand findet je nach Material bei etwa 1200-1300°C statt, bei Porzellan im höheren Bereich als bei Steinzeug oder gar Steingut.
Die Länge des Glasurbrandes inklusive Abkühlungszeit des Brennofens ist je nach Modell unterschiedlich, dauert aber in etwa 2-3 Tage.
Hubel
Eine 10kg Packung Ton oder Porzellan. Es ist das Standardmaß, in dem es Ton zu kaufen gibt.
Innung
Eine Vereinigung von Handwerker*innen, unter anderem um Standards und Qualität im Handwerk zu fördern und die Interessen der jeweiligen Mitglieder zu vertreten. Jedes österreichische Bundesland hat eine eigene Keramikerinnung.
Keramikreise
Eine Reise, die rund um die Besuche von Keramiker*innen in deren Werkstätten geplant wird und oft von mehreren Keramiker*innen gemeinsam gemacht wird. Für mich ist die Sammlung aller meine Erfahrungen mit Keramik meine persönliche Keramikreise.
Lederhart
Der Zustand des Tons, wenn er schon etwas angetrocknet ist. Lederharter Ton ist stabil genug, um noch bearbeitet oder dekoriert werden zu können. In diesem Zustand werden zB Henkel oder dekorative Details und Formen angebracht oder Muster in die Oberfläche geschnitzt (juhuu!!). Auch Stücke, die aus vorerst separat geformten Teilen bestehen, wie zum Beispiel Teekannen, werden in diesem Zustand zusammengesetzt.
Pinching (= Daumendrucktechnik)
Aus einem Stück Ton wird nur durch eindrücken der Daumen bzw. Finger ein Gefäß geformt.
Plattentechnik
Eine Technik zur Keramikherstellung, bei der Ton ausgewalkt wird um Tonplatten herzustellen, die dann weiter geformt werden. Die Töpferscheibe wird bei dieser Technik nicht benötigt.
Plattenwalze
Ein spezielles Gerät, um Tonplatten für die Plattentechnik herzustellen. Alternativ kann ein "Nudelwalker" verwendet werden.
Porzellan
Ein Material, das aus Kaolin, Feldspat und Quarz hergestellt wird. Gebranntes Porzellan zählt zur Keramik und es wird vor allem wegen seiner glasähnlichen Qualitäten geschätzt - es ist lichtdurchlässig und besonders stabil. Prinzipiell werden die gleichen Geräte verwendet, wie bei der Verarbeitung von Steinzeug, nur die Brenntemperaturen unterscheiden sich (siehe ‚Schrühbrand‘ und ‚Glasurbrand‘).
Probeplatten / Glasur-Probeplatten:
Kleine Keramikplatten, auf denen neue Glasuren getestet werden. Ton und Glasur müssen miteinander harmonieren, Faktoren wie Wärmeausdehnung und Schwindung sind dafür ausschlaggebend, ob ein Ton und eine Glasur zusammenpassen. Oft sind unzählige Glasurtests notwendig, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.
Ränderscheibe
Ein Gerät, dessen Besonderheit eine sich drehende Scheibe mit eingravierten Rändern ist, um ein Werkstück durch Drehbewegungen gleichmäßig bearbeiten zu können. Ränderscheiben können auf einen Arbeitstisch gestellt werden, existieren in unterschiedlichen Höhen und Durchmessern und finden vor allem in der Plattentechnik, Aufbautechnik oder dem Nachbearbeiten lederharter Stücke Verwendung. Sie sind von Hand betrieben, nicht elektrisch.
Schrühbrand / Schrühware
Der Schrühbrand ist der erste keramische Brand. Er verwandelt formbares Material in stabile, aber noch spröde Keramik. Er dient dazu, die Stücke glasieren zu können, da das Material noch stark Wasser aufsaugt und so die flüssigen Glasuren besser haften. Außerdem ist die Ware zu dem Zeitpunkt nicht mehr formbar, was den Umgang beim Glasieren erleichtert. Der Schrühbrand für Steinzeug findet bei etwa 960°C statt, bei Porzellan bei etwa 1100°C. Die Länge des Schrühbrandes inklusive Abkühlungszeit des Brennofens ist je nach Modell unterschiedlich, dauert aber in etwa 1,5 Tage.
Schwindung
Die Schrumpfrate des Tons oder Porzellans. Es gibt sowohl eine Trockenschwindung - also das Schrumpfen des ungebrannten Materials beim Trocknen, als auch eine Brennschwindung, wenn die Keramik während des Glasurbrands nochmals kleiner wird.
Steingut
Tonmassen, die in niedrigerem Brennbereich gebrannt werden. Für Dekorationskeramik eignet es sich teils sehr gut, weil es eine große Vielfalt an Glasurfarben zulässt. Steingut-Geschirr ist nicht dicht, sondern haben eine Feuchtigkeitsaufnahme, die bei Glasuren mit der Zeit für Risse sorgt. Auch wenn es für Geschirr verwendet werden kann, bin ich von der Qualität nicht überzeugt. Bei Billig-Keramik im Handel handelt es sich oft um Steingut, aber auch sehr bekannte Marken verwenden dieses Material.
Steinzeug
Das Material meiner Wahl! Tonmassen, die in einem hohen Brennbereich gebrannt werden und somit dicht, widerstandsfähig und frostfest sind. Ich arbeite ausschließlich mit Steinzeug, da mich das Material zum Arbeiten selbst und die Qualität der fertigen Keramik absolut überzeugt.
Töpfern
Genaugenommen bezeichnet dieser Begriff nur das Formen von Gefäßen an der Töpferscheibe. Oft wird ‚töpfern‘ heutzutage jedoch auch für das Herstellen von Keramik anhand von anderen Techniken verwendet.
Töpferscheibe (auch Drehscheibe)
Ein elektrisches Gerät mit einer sich drehenden Scheibe, die dazu dient, den Ton zu formen. Sie wird mit einem Fußpedal bedient, mit dem auch die Geschwindigkeit je nach Arbeitsschritt angepasst werden kann.
Wenn du mehr über Keramik lesen magst: Die Short Stories sind eine tolle Möglichkeit, um Geschichte für Geschichte in die Welt der Keramik einzutauchen. Sie zeigen, auf welch unterschiedliche Art Keramik unsere Leben berührt.
Viel Freude beim Weiterlesen!