Läuft! Oder eben nicht.

Läuft! Oder eben nicht.

Es gibt so Tage in der Werkstatt, da läuft einfach alles genau so, wie es soll.

Gut gelaunt und mit lauter Musik in den Ohren, gehe ich die Treppe in den ersten Stock zur Keramikwerkstatt hoch. Das bekannte Kribbeln im Bauch, das immer dann da ist, wenn ein fertiger Glasurbrand auf mich wartet. Ich sperre die Tür auf und lege meine Sachen ab, die Musik bleibt noch an. „150° ENDE“ steht am Controller.  Ich schalte den Brennofen ab, öffne die Tür einen kleinen Spalt und lasse ihn noch etwas abkühlen. Der Ofen ist mit einem großen Auftrag gefüllt, der mir viel abverlangt hat. Was, wenn etwas schief gegangen ist? Ich ziehe meine Arbeitskleidung an und dann wage ich einen ersten Blick. Zentimeter für Zentimeter mache ich die Brennofentür auf, es fühlt sich an, als würde ich die Schleife eines Geschenks vorsichtig auflösen. Ich sehe Top-Glasurergebnisse: keine Sprünge, Risse oder sonstige Desaster – und atme erleichtert aus. Geschafft! 

Und dann gibt es Tage, die sind einfach nur zum Verzweifeln.

Zum Beispiel, wenn eine Ofenladung voller Bestellungen in die Hose geht. Und damit viele Stunden Arbeit umsonst waren. 

Tag 1: Schockstarre und blankes Entsetzen, dicht gefolgt von Wut, Alles-hinschmeißen-Gedanken und Trauer (= stundenlanges Heulen). 

Tag 2: Analysieren, was schief gegangen sein könnte, und Schlüsse daraus ziehen. Weitermachen: Ton wieder kneten, neu portionieren. 

Tag 3: Wieder an der Töpferscheibe sitzen und spüren, wie die Zufriedenheit zurückkommt. Dankbarkeit dafür, mit meinen Händen etwas für andere Menschen und deren Alltag erschaffen zu können. Glücklich – trotz aller Risiken und Unkontrollierbarkeiten, die das Keramikerinnen-Dasein mit sich bringt.

Drei Wochen später: Stolz sein auf die wunderschönen, fertigen Keramik-Sets, die an zufriedene (und geduldige) Kund*innen übergeben wurden. 

Note to Self: Manche Tage sind zum Jubeln, manche zum Heulen. Nimm sie, wie sie kommen, und mach das Beste daraus.

 

Erstveröffentlichung: 17. September 2025

Foto: Patricia Weisskirchner

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