Heiße Erkenntnisse.

Heiße Erkenntnisse.

Splitternackt liege ich in der Damensauna. Können die zwei Freundinnen nicht endlich aufhören zu tratschen? Wenn ich mir schon diese Auszeit von Computer und Töpferscheibe, Handy und dem Lärm der Welt nehme, dann will ich hier bitte wirklich in völliger Stille schwitzen. Wäre ich doch nur alleine hier! Und wenn ich schon dabei bin, mir meine Wunschsauna zu kreieren, dann hätt’ ich eigentlich gern was Stylisheres. Diese Fliesen in ca. 20 verschiedenen, schreienden Farben, gut beleuchtet vom Neonlicht, lassen Entspannung tatsächlich nur mit fest verschlossenen Augen zu.

Seit letztem Jahr mache ich in den kalten Monaten wöchentliche Schwimm- und Sauna-Dates. Manchmal muss ich mich dazu zwingen, zur vorgenommenen Zeit tatsächlich den Ton aus der Hand zu geben oder die Hand weg von der Tastatur zu nehmen. Dann rede ich mir zu: Practice what you preach, Serena!“, packe meinen Rucksack und trotte brav Richtung Schwimmbad.

Beim ersten Öffnen der Eingangstür aktiviert der Chlorgeruch sofort alle Wohlfühlzentren meines Gehirns. Weird? Vielleicht. Aber für mich bedeutet der Geruch: ins Wasser tauchen, in der Hitze vor mich hinköcheln, dabei das Hirn runterfahren spüren und die Welt um mich herum vergessen. Nichts tun, einfach nur sein.

Zumindest so lange, bis nach Sauna und eiskalter Abschreckung – und mit komplett verrückt spielendem Kreislauf – auf der Liege die kurz davor noch auf stumm geschalteten Gedanken meist mit doppelter Geschwindigkeit zurückkommen. Abrupt schieße ich dann oft in die Höhe und durchwühle meine Badetasche – auf der Suche nach Stift und Zettel. Stift finde ich meistens, und Shampooflaschen halten notfalls auch als Schreibuntergrund für Geistesblitze her.

Jetzt aber, da tratschen die Freundinnen lauthals weiter und meine einzigen Gedanken sind immer noch: „Ach, wär’ ich doch nur alleine hier!“

Bald darauf, selbe Sauna: Serena alleine in der gesamten Saunalandschaft. Statt entspannend: SPOOKY! Vielleicht ist in der Sauna ja zumindest eine Person? Holztür auf: niemand drin. Zaghaft setze ich mich auf die Bank. Plötzlich fühle ich mich so … nackt.

Dann machen mein Schatz und ich unser Pausenwochenende, und siehe da: das Hotel hat auch eine Sauna. Wow! Sanfte Farben, hübsch dekoriert, dezente Beleuchtung und Musik – hier kommen Spa-Gefühle auf. Doch schon vom Ruheraum aus sehe ich, dass etwas nicht stimmt. Ich öffne die Tür der komplett verglasten Sauna, setze mich zu den anderen Personen. Internationale Gäste, die wohl vom Nacktheitsgebot in österreichischen Saunen entweder nichts wissen oder nichts halten. So bleibe auch ich ins Handtuch gehüllt. Ich hebe meinen Blick und werde von einem Augenpaar im Ruheraum angestarrt. Still? Ja, still ist es hier. Schick? Ja, schick ist es hier. Meine Entspannung bleibt trotzdem gleich null, und ich breche den Saunagang vorzeitig ab.

Bald darauf bin ich wieder in meiner unperfekten, ungemütlichen, teils sehr lauten Sauna. Wie hab ich sie vermisst! Genüsslich breite ich mein Handtuch und mich selbst auf der Saunabank aus. Dann lasse ich mich – Kaffeeplausch/Saunaplausch der Freundinnen (irgendwelche gibt es immer) hin oder her – komplett in die Entspannung fallen. Gut aufgehoben in un-verschämt schwitzender, gemeinschaftlich-weiblicher Nacktheit.

Note to Self: Überleg dir gut, was du dir wünschst. Es könnte ja in Erfüllung gehen.

 

Erstveröffentlichung: 19. November 2026

Foto: Anna Tschirko

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