Tech-Panik.
Es ist Montagmorgen und ich habe einen langen Werkstatttag vor mir. Gerade sperre ich die Werkstatttür auf, als eine ältere Dame aus dem Nebengang kommt und mich flehend ansieht. „Bitte, ich suche den Kurs, der jetzt um 9 Uhr stattfindet. Aber ich finde niemanden.“ Es ist 8:30. Die Verzweiflung steht ihr ins Gesicht geschrieben.
„Wo findet der Kurs denn statt?“, frage ich sie. Sie packt ihr Notizbuch aus, ich sehe nur Gekrakel. „Den Ort und die Zeit habe ich mir hierher stenografiert. Es ist ein Kurs zur Benutzung von Smartphones.“
Ich schmunzle. Nicht nur, weil ich parallel zum 10-Finger-System in der Schule auch stenografieren gelernt habe (ja, ernsthaft! Zehn Mal dürft ihr raten, wie oft ich es in Real-Life verwendet habe), sondern vor allem, weil ich mich selbst in 30, 40 und – wer weiß – vielleicht sogar 50 Jahren sehe, wie ich mit meinem völlig veralteten Smartphone irgendwo einen Kurs belege, der mir hilft, die neuesten Tools zu entschlüsseln.
Oder vielleicht habe ich dann ja Glück und gewillte Enkerl, die mich in Sachen technische Entwicklungen auf Trab halten. Ich will mit der Technik mithalten. Als nicht wahnsinnig technikaffine Person ist das eine Herausforderung, der ich mich immer wieder neu stelle – getrieben von der Angst, irgendwann bis zur völligen Tech-Orientierungslosigkeit den Anschluss zu verlieren.
Auf die Bitte der Dame rufe ich bei der Veranstalterin an und begleite sie zum Treffpunkt. Gute Tat für heute getan! Wenn ich schon mit so positivem Karma die Arbeitswoche beginne, freue ich mich auf das, was sie für mich noch in petto hat.
Der Controller zeigt nach dem Schrühbrand 117 Grad. Heute steht Schrühware schleifen, waschen und glasieren an. Während ich den Brennofen ausräume, stelle ich mir vor, wie sich die Dame inzwischen in Stenoschrift Notizen zur Benutzung ihres Smartphones macht.
Note to Self: Immer JETZT ist der richtige Zeitpunkt, um mit der Technik mitzuhalten.
Erstveröffentlichung: 1. Oktober 2025
Foto: Anna Tschirko